So ein Anruf und Frage wie bei mir, Iris Weinmann von Momcoach mit der Frage, Teil einer Doku, in meinem Fall zur plan b – Doku im ZDF zu sein, kommt nicht alle Tage vor. Da finde ich, darf man aufgeregt nach Luft schnappen. Wie ich zur Sendung kam, welche Kriterien für mich wichtig waren überhaupt dabei zu sein, welche organisatorischen Themen auf mich zu kamen und warum ich gerne bei der Doku plan b im ZDF dabei sein wollte ist Thema dieses Blogbeitrags.

Schappatmung – ein Regisseur ruft mich für einen Dokumentarfilm an

Als ich im Mai gerade auf dem Weg war meine Kinder vom Kindergarten abzuholen kam ein Anruf von einer unbekannten Nummer aus Hamburg. Die Hamburger Vorwahl war mir aus mehreren Telefonaten mit Unternehmen bekannt. Da ich bereits vor dem Kindergarten mit dem Auto stand, um die Kinder abzuholen, nahm ich den Anruf nicht entgegen und lies den Anrufer auf meine Mailbox sprechen.

Später, als wir zu Hause waren und ich das Auto geparkt hatte, hörte ich den Anruf ab. Der Anrufer war Regisseur Dominic Egizzi. Er war vom ZDF beauftragt worden, eine 30-minütige Dokumentation zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie für eine Sendereihe des ZDF zu drehen. Die Sendung verfolgt den Ansatz „constructive journalism“, aha, dachte ich, was ist das denn? Am Ende seiner Sprachnachricht meinte er, er würde sich freuen, wenn ich ihn zurückrufen würde.

Ich schnappte nach Luft, jubelte und meine Kinder schauten mich mit großen Augen an. Was ist denn Mama? Was machst du denn so aufgeregt? Wer war das? Was wollte der Mann am Telefon? Ich hatte die Sprechanlage des Autos an, als ich den Anrufbeantworter in der Garage mit den Kindern abhörte.

Vorbereitungen für das bevorstehende Telefonat mit dem Regisseur

Jede berufstätige bzw. selbstständige Mutter kann nachvollziehen, dass ich nicht sofort zurückrufen konnte, weil ich nicht in Ruhe hätte sprechen können. Also versorgte ich meine Kinder erst mal mit einer kleinen Zwischenmahlzeit. Danach hatten die beiden den Anruf eh vergessen und liefen in den Garten zum Spielen.

Ich griff sofort zum Smartphone und hörte den Anruf nochmals ab, schrieb mir den Namen des Regisseurs „Dominic Egizzi“ und das Stichwort „constructive journalism“ auf. Dann recherchierte ich nach dem Regisseur „Dominic Egizzi“ und fand auch gleich gute und für mich wichtige Informationen. Beispielsweise:

Ein weiteres wichtiges Stichwort, das er nannte, war konstruktiver Journalismus (constructive journalism). Ich hatte diesen Begriff bisher noch nie gehört und wollte natürlich erfahren, was dahintersteckt. Das bedeutet, dass gesellschaftlich relevante Fragen im Hinblick auf konkrete Verbesserungsmöglichkeiten journalistisch aufbereitet und thematisiert werden.

Du denkst jetzt wahrscheinlich, dass dies keine Rolle spielt. Doch für mich spielt es eine Rolle, denn es geht um meine Familie und mich. Für mich war es wichtig zu erfahren, welcher Sender die Doku produzieren lassen möchte, welches Thema wie behandelt wird, welcher Regisseur die Dreharbeiten verantwortet und welche Filme dieser bereits produziert hat.

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, rufte an und legte nach dem Anruf enttäuscht den Hörer auf

Die Recherche konnte ich schnell durchführen und der Anrufer erfüllte meine persönlichen Kriterien. Ich führte beruhigende Übungen durch und durchlief in Gedanken meine Erfolge, damit ich mit einer selbstbewussten und ruhigen Stimme den Rückruf tätigen konnte.

Dominic Egizzi war am Telefon sehr sympathisch. Während der Unterhaltung meinte er, dass er während seiner Recherche Momcoach und mich über das Internet/Facebook gefunden hatte. Er teilte mir mit, dass er sich in der Recherche- und Konzeptionsphase eines neuen Formates befindet und befragte mich über meine Selbstständigkeit und meine Kunden. ????

Dann kam die Aussage, die mich enttäuschte: „Frau Weinmann, durch Ihre Arbeit haben Sie doch bestimmt Kontakte zu Müttern und es wäre sehr nett und hilfreich von Ihnen, wenn Sie mich bei meiner Suche unterstützen. Klar, natürlich unterstütze ich Sie bei Ihrer Recherche, meinte ich.

Er suche Mütter bei denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich vom Arbeitgeber erschwert worden sei und bat mich Kontakte zu solchen Müttern zu ihm herzustellen, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die Mütter zustimmen würden. Denn das sei ja ein heikles Thema…(richtig, dachte ich, das ist ein heikles Thema, leider, immer noch).

“Natürlich, klar, keine Frage”, sagte ich, und ich versprach ihn zu kontaktieren und ihm eine Verbindung zu Frauen herzustellen. Dann hatte ebene eine andere (selbstständige) Mutter eine Chance, wie auch immer sie sie nutzen würde. Mir fielen auch gleich ein paar Mütter ein, die ich anschreiben wollte.

Warum du nicht, meinte mein Mann

Mein Mann kam von der Arbeit nach Hause. Am Abendessen erzählte ich ihm von dem Anruf und, dass ich Dominic Egizzi den ein oder anderen Kontakt geben wollte, wenn die Frauen zustimmen. Er meinte, das ist doch auch dein Thema. Hast du ihm das nicht gesagt. Ähm, nein, nicht so deutlich. Dann schreib ihm halt eine E-Mail, meinte mein Mann.

Das tat ich dann auch und schrieb ihm per E-Mail meine persönliche Geschichte. Daraufhin bekam ich kurze Zeit später eine E-Mail zurück, in der er sich bedankte und mitteilte, dass er sich in der darauffolgenden Woche nochmals melden und meine Geschichte sehr interessant und spannend klingen würde. Dann kam lange Zeit kein Lebenszeichen mehr von dem Regisseur und ich dachte, die Geschichte ist durch.

Innerhalb kürzester Zeit wurde der Drehtag festgesetzt

Dann ging es Schlag auf Schlag. Er rief circa 3 Wochen vor dem eigentlichen Drehtag an und entschuldigte sich für den verspäteten Rückruf. Aufgrund der Recherche hatten sich neue Schwerpunkte ergeben und aus diesem Grund hatte sich der Rückruf verzögert.

Die Doku solle unterschiedliche Rahmenbedingungen, den Alltag sowie Lösungen von Familien aufzeigen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Ich erzählte von meinem Mann der Berater ist sowie von meiner Schwiegermutter, die erst kürzlich einen Schlaganfall hatte und wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, wie es nun mit ihr weitergeht.

Dann erzählte ich von meiner Selbstständigkeit und unter welchen Rahmenbedingungen ich meine Selbstständigkeit aufbaue sowie welche Lösungen wir für uns gefunden hatten, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Denn ich bin seit ungefähr einem Jahr, neben meinem bisherigen standortabhängigen Business dabei, ein Online Business aufzubauen. Gründe hierfür sind unter anderem standortunabhängig zu agieren und auf zukünftige, unvorhersehbare Ereignisse in der Familie flexibler reagieren zu können. Das waren die Anforderungen meiner neuen Ausrichtung, die mir erst im Nachhinein bewusst wurden.

Ausschlaggebend für das Online Business (Momcoach) und das Thema war eher eine Frage der Sinnhaftigkeit meiner bisherigen Selbstständigkeit. Hierzu empfehle ich dir auch den folgenden Beitrag – 13 Gründe ein Online Business aufzubauen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

Natürlich ging es in unserem Gespräch auch um die Kinder. Wie die Kinder betreut werden, wie hoch die Kosten für die Betreuung sind und warum ich mich während eines Krisenjahres meiner Selbstständigkeit mich entschieden hatte, die Kinder aus der Ganztagesbetreuung zu nehmen und bei der Regelgruppe anzumelden.

Egizzi war von unserer Geschichte und wie wir Familie und Beruf vereinbaren angetan. Nun musste ich meinen Mann noch davon in Kenntnis setzen, dass er und die Kinder Teil der Dokumentation sein werden. Ich rief meinen Mann an, erzählte ihm von dem Gespräch und, dass der Drehtag für das Format bald stattfinden würde.

Naja, Begeisterung und Jubleschreie habe ich während dem Telefonat nicht gehört ????, aber er stimmte zu. Er konnte auch nicht anders, denn er hatte mich ja dazu aufgefordert nochmals Kontakt zu Egizzi aufzunehmen und meine persönliche Geschichte zu erzählen.

Kindergarten informieren und Kinder auf den Drehtag vorbereiten

Dann ging alles sehr schnell. Wir vereinbarten einen Termin den ich am nächsten Tag mit dem Kindergarten besprach. Der Drehtag lag etwas ungünstig, weil an dem Tag, der Rauswurf der zukünftigen Lernraketen (Schulkinder), also auch meiner Tochter, aus dem Kindergarten geplant war.

Der Rauswurf wurde vom Kindergarten organisiert und war kurz vor der Schließungszeit. Eine tolle Aktion, bei denen die zukünftigen Schulkinder auf einer Decke hin und her geschwungen werden und das das Ende der Kindergartenzeit symbolisieren soll.

Das tangierte meinen alltäglichen Ablauf kaum, denn solche Aktionen muss ich öfter in meinen Alltag integrieren. Und darum ging es bei der Dokumentation eben auch, unseren Alltag zu dokumentieren, Probleme und Hürden darzustellen, aber auch die Lösungsansätze aufzuzeigen, um die Familie und den Beruf zu vereinbaren.

Aber wie erkläre ich das meinen Kindern? Viel zu erklären gab es nicht. Wir teilten unseren Kindern mit, dass uns ein Fernsehteam den ganzen Tag begleiten wird. “Wie begleiten?”, fragte unsere Tochter Jule. Da kommen Menschen mit einer Kamera und dann werden die unseren Alltag aufnehmen. Wo und wie die Mama arbeitet. Wie sie kocht. Wie wir gemeinsam zum Kindergarten gehen, wie ich euch in den Kindergarten bringe und wieder abhole sowie wie der Papa abends nach Hause kommt.

Das war dann für unsere Kinder auch in Ordnung und die beiden haben sich von der Kamera nicht stören lassen.

Was ist und war meine Intention bei der Doku – plan b dabei zu sein?

Meine/unsere Geschichte ist immer noch keine Seltenheit und sehr oft werden Performerinnen, die sich ein Jahr Elternzeit nehmen und gegebenenfalls noch ein zweites Kind bekommen “abgeschrieben”. Die Wertschätzung und Anerkennung wird mit Füßen getreten. Unternehmen versuchen, mit wenigen Ausnahmen, erst gar nicht die Mütter dabei zu unterstützen Familie und Beruf zu vereinbaren.

Ähnliche Geschichten erzählen mir die Mütter, die ich coache. Diese Mütter machen sich sehr oft selbstständig, weil sie keine andere Wahl mehr haben ihre Karriere in einem Unternehmen voranzutreiben und manchmal ist es wie bei mir eine Flucht nach vorne…

Ja, ich war am Boden zerstört, das hat das Unternehmen höchstwahrscheinlich gar nicht mitbekommen und wenn, dann…? Die anderen potentiellen Arbeitgeber haben mir dann den Rest gegeben.

Aufgrund der letzten Jahre und der Erfahrungen, die ich machen durfte konnte ich Momcoach ins Leben rufen. Mit meinen Webinaren und Kursen, kann ich selbstständige Mütter inspirieren, motivieren und unterstützen. Die Resonanz ist durchweg positiv und darauf bin ich sehr stolz.

Mein Fazit der letzten Jahre ist: Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Sie ist zu beginn schmerzhaft, doch kann dann, wenn man sich darauf einlässt eine Bereicherung fürs Leben und die beste Entscheidung überhaupt sein.

Das Pendant sind die Väter, die gerne eine Vaterrolle übernehmen würden, jedoch nicht können, weil sonst der Job gefährdet ist oder die Gesellschaft den Vater ausgrenzt. Das Thema hatte ich kürzlich auch.

Es fehlen die Wahlmöglichkeiten und es fehlt der Gesellschaft immer noch an Denkweisen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen.

Mit der Sendung plan b: Glückliche Familien – zufriedene Chefs | Die neue Vereinbarkeit von Job und Privatleben Film von Dominic Egizzi hoffe ich/hoffen wir, werden den Zuschauern die Wahlmöglichkeiten aufgezeigt und vielleicht Veränderungen in der Denkweise des ein oder anderen angestoßen. 

Info zum Regisseur: Dominic Egizzi