Braucht es wirklich einen internationalen Frauentag, diese Frage hat mich gestern den ganzen Tag unterbewusst beschäftigt. Anette Schade eine Kollegin von “The Content Society”, wohl auch. Doch sie setzt noch eins drauf. Sie stellte die Frage in ihrer Story und hat einen Blogbeitrag darüber geschrieben. Die Frage triggerte mich. Denn hährlich stelle ich sie mir. Ich griff die Frage deswegen gestern in meiner Story und auf meinem persönlichen Facebook Profil auf. Und ja, es gibt hierzu ganz unterschiedliche Meinungen.

Wenn es den internationalen Frauentag nicht braucht, was braucht es dann? Diese Frage, die mir im Kopf herumschwirrt möchte ich auf den Grund gehen. Und mal sehen, was dabei raus kommt. Ich bin gespannt und du?

Doch zunächst einmal sollten wir die Herkunft des Frauentags klären.

Die Wurzel des internationalen Frauentags

Der internationale Frauentag, auch Weltfrauentag, internationaler Frauenkampftag 😨 oder Frauentag genannt entstand bereits vor dem ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Der Frauenwelttag findet jährlich am 8. März statt. Die Initiatoren waren sozialistische Organisationen, deren Grundwerte sind: GleichheitGerechtigkeitSolidarität. Die Idee eines Frauenkampftages stammt aus den USA. Dort haben Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) im Jahr 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet. Das Komitee beschloss einen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren.

Die US-Amerikanerin, May Wood Simons, brachte die Idee nach Kopenhagen. Die beiden deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker setzen sich für den Frauentag ein und forcierten den Beschluss.Der Beschluss in Kopenhagen lautete:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […] Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“[2] Quelle: Wikipedia.

Am 19. März 1911 fand der erste Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz statt.

Die Entwicklung

Das erste Thema des Frauentages war die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht. Dann wurde der Frauentag genutzt, um gegen den ersten Weltkrieg zu demonstrieren. Das Wahlrecht war jedoch noch lange nicht vom Tisch. Bis zum 12. November 1918. Im Jahr 1919 durften die Frauen das erste Mal von ihrem Wahlrecht gebrauch machen.

Weiterhin wurde der Frauentag von politischen Parteien genutzt. Dabei kämpften die Frauen um unterschiedliche Themen. Während der Weimarer Republik (1933 bis 1933) waren Arbeitszeitverkürzungen, Senkung der Lebensmittelpreise, Schulspeisungen und das Recht auf legalen Schwangerschaftsabbruch Themen. Zwischen 1933 und 1945 wurde der Frauentag in Deutschland verboten. Der Muttertag wurde in die Mitte gerückt. Der Frauentag war nie ganz verschwunden und wurde bis 1993 in unterschiedlichen Kontexten genutzt.

1994 erlebte der Frauentag ein politisches Revival. Seit dem hat es am 8. März vermehrt Veranstaltungen von autonomen Frauengruppen, Gewerkschaften, den Gleichstellungsbeauftragten oder der Volkshochschulen in kleinen und großen Städten gegeben.

In 2010 forderte Alice Schwarzer eine komplette Streichung des gönnerhaften Frauentages. Zu Recht? 

Meine Meinung zum Frauentag

Mir kommt die Galle hoch, wenn ich daran denke, dass wir im Jahr 2021 immer noch über die Gleichstellung sprechen. Der technische Fortschritt schreitet voran. Die Menschen bleiben in ihren Denk- und Verhaltensmustern gefangen. Und genau hier liegt meiner Ansicht nach das Problem. Wir sind gefangen aufgrund unserer Geschichte, der Erziehung im Elternhaus, Kindergarten und in der Schule. Teilweise leben wir  immer noch im 20. Jahrhundert. 

Unseren Kindern werden im Kindergarten teilweise Rollenmodelle mitgegeben, die heute so nicht mehr tragbar sind. “Die Mama ist zuhause und der Papa geht arbeiten”. Von der Schule ganz zu schweigen. Hier hört man immer noch von Lehrern oder Betreuerinnen, das ist Jungs- oder Mädchensache. Die Beispiele in den Lehrbüchern sind teilweise der absolute Gipfel. Die Werbeindustrie hat die Farbe blau für Jungs und rosa für Mädchen erfunden. Der Glaubenssatz die Jungs dürfen nicht mit Puppen spielen ist immer noch da. Aber auch Sätze, wie Fußball ist nichts für Mädchen finden immer noch Anklang in unserer Gesellschaft. Und bei vielen Menschen sind noch viele viele tiefverankerte Glaubenssätze (mich eingeschlossen) vorhanden, die sie danach handeln lassen und der Gleichstellung und den Menschen und unseren Kindern nicht dienlich sind.

Was ich denke? Der Frauentag ist out! Er sollte mit seinen “alten” Wurzeln begraben werden. Ob etwas neues entstehen sollte? Das wird es, wenn die Zeit reif dafür ist, auf alle Fälle. 

Für was ich mich einsetze und was ich meinen Kindern beibringe ist Toleranz, Offenheit und Frieden. Und immer wieder teile ich ihnen mit, hinterfrage alles, auch das was ich sage. Es mag für den Moment richtig sein, aber nicht für die Zukunft. Unsere Kinder stärken, das können wir nur, wenn wir uns selbst hinterfragen und unsere eigenen “alten” fest integrierten Glaubenssätze verändern. Erst dann glaube ich schaffen wir eine gleichgestellte Welt. 

Die liebe Anette und ich haben uns dann zu einem gemeinsamen spontanen Live auf Facebook verabredet. Hier kannst du dir das Live anschauen.